Bildung und Technologie – Kooperationsverbot aufheben

Bildung und Technologie – Kooperationsverbot aufhebenv. l. n. r.: Präsident Claude Heiser, Stefan Nowatschin, Vize-Präsident Horst-Günther Klitzing, Vize-Präsident Salavtore Piroscia

Unter der Leitung des Präsidenten Claude Heiser tagte der Berufsrat der Europäischen Fachkommission „Bildung, Jugend, Kultur und Forschung“ (EDUC) am 24. Oktober 2013 in Brüssel.

Der stellvertretende BLBS-Bundesvorsitzende, Stefan Nowatschin, zuständig u.a. auch die die internationalen Kontakte, nahm erstmalig an der Berufsratssitzung teil. Der geschäftsführende Vorstand begrüßte Stefan Nowatschin herzlich.

Kooperationsbereitschaft und die Unterstützung des BLBS

Im Eingangsbericht informierte Präsident Heiser den Berufsrat darüber, dass für die Europäische Union der unabhängigen Gewerkschaften (CESI) der BLBS-Bundesvorsitzende Eugen Straubinger und dessen stellvertretender Bundesvorsitzender, Stefan Nowatschin, am 03.07.2013 an der Konferenz zur Europäischen Ausbildungsallianz (EAA) teilgenommen hatten. Stefan Nowatschin schilderte in einem Kurzbericht die Erkenntnisse, die schon in der Pressemitteilung des BLBS vom 09.07.2013 (BLBS begrüßt Europäische Ausbildungsallianz) veröffentlicht wurden. Die Kooperationsbereitschaft und die Unterstützung des BLBS, die Initiatoren und Mitglieder der EAA und die Bildungspartner in den EU-Krisenländern zu unterstützen, wurde nochmals betont.

Präsident Heiser teilte weiterhin mit, dass Knut Kraft, der Experte für Internationales des BLBS zum beratenden CESI-Experten ernannt wurde.

Investitionen in die allgemeine und berufliche Ausbildung

Zentrale Themen waren u.a. die Stellungnahme der Europäischen Union der unabhängiger Gewerkschaften (CESI), die diese zu einer Mitteilung der Kommission an das europäische Parlament, den Rat, den europäischen Wirtschaft- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen erstellt hatten mit dem Titel: „Neue Denkansätze für die Bildung: bessere sozioökonomische Ergebnisse durch Investitionen in Qualifikationen“. Die CESI unterstützt damit die Forderung der EU-Kommission, die Investitionen in die allgemeine und berufliche Ausbildung zu verbessern, damit das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit gesichert wird. Nur durch qualifizierte Arbeitskräfte kann Europa seine Produktivität weiter steigern. Die CESI kritisiert, dass die Forderung der Kommission stark wirtschaftliche Qualifizierungen fordert. Die CESI sieht das Individuum im Zentrum der Bildung. „Erst kommt der Mensch, dann die Wirtschaft – nicht umgekehrt“.

Bildung und neue Technologien

Ein weiterer Themenschwerpunkt war das Thema „Bildung und neue Technologien“.

Dazu stellte Eleonora Sanna von der Convitto Nazionale (eine allgemeinbildende Schule mit ca. 1800 Schülerinnen und Schülern) aus Rom sein italienisches Pilotprojekt „Scuola 2.0“ vor und berichtete von ihren Erfahrungen des laufenden Modellversuchs. Der Schule wurden 156 Tabletts und weitere Ressourcen für den zweijährigen Pilotversuch (Start 2011) zur Verfügung gestellt. E. Sanna schilderte eindrucksvoll die Erfahrungen und Ergebnisse des bilingualen Unterrichts unter Einbeziehung der neuen Medien. In der nachfolgenden Diskussion betonte S. Nowatschin, dass in den deutschen beruflichen Schulen bereits jetzt eine Vielzahl von neuen Technologien eingesetzt würde, um die politisch geforderte Medienkompetenz bei den Schülerinnen und Schülern zu entwickeln. Die notwendige moderne Infrastruktur, Administration und die kontinuierliche Erneuerung der EDV, aber auch die systematische Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte, koste aber Geld. Hier seien die Kommunen und die Bundesländer verantwortlich, könnten leider oftmals aufgrund des Sparzwanges die notwendigen Rahmenbedingungen nicht herstellen. Da auf Bundes- und Europaebene viele Bildungswünsche (Inklusion, Integration von Migranten, …) formuliert würden, sollten die Bundesländer und die Kommunen bei den notwendigen Investitionen nicht allein gelassen werden.

Alle Gewerkschaftsvertretungen waren sich darin einig: Die Investition in Bildung muss eine Gemeinschaftaufgabe werden – Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam investieren! Die neue Bundesregierung wäre gefordert das Kooperationsverbot aufzuheben. Alle waren sich ferner einig, dass erhebliche Investitionen nötig sind, um Schulen flächendeckend mit personellen und materiellen Ressourcen zu versehen, um auch den anderen Schülerinnen und Schülern erweiterte Bildungschancen durch die neuen Medien zu gewähren.

Die neuen Medien bieten nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Beim Vortrag von Prof. Peter Smith, Fakultät für Psychologie, der Universität von London, ging es um das Thema „Cyberbullying“. Es verwies auf eine internationale Studie, in der auch konkrete Hilfen und Verfahrensweisen „Guidelines“ für Schulen ausgewiesen sind. Weitere Informationen findet man hier.

Im Juni 2014 ist eine zweitägige Tagung zum Thema “Neue Technologien im öffentlichen Dienst“ in Tallin (Estland) geplant. Die Tagung ist ein Baustein eines von der EU geförderten einjährigen Projektes (Projektstart Anfang 2014). Ziel ist es, ein Handbuch zur Nutzung der neuen Technologien im öffentlichen Dienst in der EU zu erstellen.

Qualifizierungsmodule in Italien

Salavatore Prioscia aus Italien stellte verschiedene Qualifizierungsmodule zum Erwerb von Zusatzqualifikationen im Bereich der Bildung vor, die in Italien entwickelt werden. Eine/ein zu qualifizierende/er Praktikumsbegleiterin/-begleiter soll den Schülerinnen und Schülern helfen, die Unternehmen u.a. bei den notwendigen Arbeitssicherheitsmaßnahmen im Praktikum zu beraten und koordinierend zu wirken. Ein weiteres Qualifizierungsmodell stellt die Ausbildung zur betrieblichen Mediatorin/ zum Mediator dar.

Informationsaustausch

Im Rahmen des Informationsaustausches der anwesenden Gewerkschaftsvertretungen trug Präsident Heiser eine Mitteilung der spanischen Gewerkschaftsmitglieder vor, die  nicht anwesend waren. Aus dem Bericht ging hervor, dass sie sich derzeit im Streik befinden würden. Die dramatische Verschlechterung der Rahmenbedingungen im Bereich der spanischen Bildungseinrichtungen macht sich besonders bei der großen Freisetzung von Lehrkräften und den umfassenden Sparmaßnahmen bemerkbar. Die hohe Arbeitslosigkeit, speziell Jugendarbeitslosigkeit, und die schlechte gesamtwirtschaftliche Situation werden als Ursachen ausgemacht. Die gleichen Problematiken wurden auch von den anwesenden portugiesischen Gewerkschaftsvertretern dargestellt.

Etwas überraschend war der Bericht aus Polen. Der polnische Gewerkschaftsvertreter berichtete ebenfalls von der Freisetzung von vielen polnischen Lehrkräften und zum Teil umfangreichen Sparmaßnahmen im Bildungssystem. Die demografische Entwicklung – starker Rückgang der Geburtenrate – führt zu vielen Schulschließungen und Zusammenlegungen. Seit über neun Monaten herrscht zwischen den Gewerkschaften und der Regierung „Funkstille“, der soziale Dialog fehlt. Eine gemeinsame konstruktive Problemlösung ist derzeit in Polen bedauerlicher Weise nicht möglich.