BLBS beim KMK Präsidenten Dr. Bernd Althusmann

Am Rande einer Sitzung des niedersächsischen Landtages empfing der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Dr. Bernd Althusmann, Vertreter des BLBS. Unter dem Vorsitz des Bundesvorsitzenden, Berthold Gehlert, nahm der stellvertretende Bundesvorsitzende des BLBS, Horst-Henning Wilke, sowie der niedersächsische Landesvorsitzende, Heinz Ameskamp, an dem Gespräch teil. Das in angenehmer Atmosphäre stattfindende Gespräch bot allen Gesprächsteilnehmern ausreichend Gelegenheit, sich zu aktuellen bildungspolitischen Themen auszutauschen.

Situation am Ausbildungsmarkt
Die Vertreter des BLBS sprachen zum Einstieg die Situation am Ausbildungsmarkt mit seinen aktuellen Problemen an. Es ging dem BLBS besonders darum, bei der aktuellen Initiative "Übergänge mit System" die Berufsschulen nachhaltig mit einzubeziehen. Präsident Althusmann sah das auch so und sagte zu, auch die Problematik "Ausbildungsfähigkeit" auf der KMK-Ebene zu thematisieren.

Lehrerbildung/Lehrerbedarf
Zum Themenkomplex Lehrerbildung fand ein intensiver Meinungsaustausch statt. KMK-Präsident Dr. Bernd Althusmann informierte darüber, dass Sondermaßnahmen geplant seien, um den aktuellen Bedarf in den Berufsfeldern Metall- / Elektrotechnik zu decken. Der aktuelle Deckungsgrad der Lehrerversorgung in diesem Bereich liegt in Niedersachsen zurzeit bei 65 % – 80 %. Die Zahlen für die übrigen Bundesländer sehen sehr ähnlich aus.

Die Vertreter des BLBS wiesen ausdrücklich darauf hin, dass bei den geplanten Sondermaßnahmen aus der Sicht des BLBS die Standards für die Lehrerausbildung zwingend einzuhalten sind. Bei der Werbung für das Lehramt an berufsbildenden Schulen sollten die positiven Aspekte der Lehrertätigkeit gezielt herausgestellt und Anreize geschaffen werden. Der KMK-Präsident sprach sich in diesem Zusammenhang eindeutig dafür aus, die Lehrämter (z. B. Lehramt an berufsbildenden Schulen) in der bisherigen Form beizubehalten. Er werde keinen Einheitslehrer (Einheitslehramt) anstreben, da es strukturelle Unterschiede gibt, er wolle auch keine Gleichmacherei.

Gliederung des Schulsystems
Präsident Althusmann gab seinen Erwartungen Ausdruck, dass sich das zweigliedrige Schulsystem in Zukunft durchsetzen werde. In Niedersachsen werde die neu eingeführte Oberschule (Symbiose von Real- und Hauptschule) diese Aufgabe übernehmen. Er informierte im weiteren Gesprächsverlauf über die geplante Zusammenarbeit zwischen den Oberschulen und den berufsbildender Schulen. Dies sei ein wesentlicher Punkt der Arbeit der kommenden Jahre. Betrachtet man die Wichtigkeit der Bildungssysteme in der Öffentlichkeit, dann ist festzustellen, dass der Focus auf dem allgemeinbildenden Bereich liegt. Die BLBS Vertreter betonten, dass im berufsbildenden Schulsystem andersartige Schüler unterrichtet werden und daher auch andere Probleme gelöst werden müssten, bzw. diese Situation auch besonders bewertet und berücksichtigt werden müsse.

Koordinierungsstelle
Mit Blick auf das duale Ausbildungssystem wiesen die Vertreter des BLBS darauf hin, dass Entscheidungsprozesse nicht nur den Sozialpartnern überlassen werden dürfen. Die Schulseite müsse hier gestärkt werden, so die vehemente Forderung der BLBS-Gesprächspartner. Dabei würde eine "Koordinierungsstelle berufliche Bildung" ein geeignetes Instrument sein können. Dort könnten grundsätzliche Fragen diskutiert, beantwortet und geregelt werden, auch sollten alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen. Das Kooperationsverbot im Bildungsföderalismus sollte in ein Kooperationsgebot geändert werden.

Beispiel: Niedersachsen
Am Beispiel Niedersachsen informierte der KMK-Präsident die BLBS Vertreter, dass bei der Neueinstellung von Lehrkräften ein Bedarf (Prognose bis ca. 2020) an ca. 3.000 Lehrkräften besteht. Die Abteilung berufliche Bildung des niedersächsischen Kultusministeriums soll diesbezüglich zügig prüfen, welche konkreten Bedarfe vorhanden sind und auf der Basis der ermittelten Zahlen die Einstellung geeignet steuern. Es wird erwartet, dass bei 20 % - 40 % der Standorte Handlungsbedarf besteht. Sorge mache man sich, dass die Unterdeckung bei den Lehrämtern an beruflichen Schulen zunimmt. Präsident Althusmann bestätigte, dass es zurzeit kein Lösungskonzept zum Abbau der Unterdeckung in den Berufsfeldern Metall- und Elektrotechnik gibt. Abhilfe können hier Quereinsteiger, gemeinsame Strategien aller Länder und Werbung für das Lehramt schaffen.

Als weiteren aktuellen Arbeitsschwerpunkt in Niedersachsen benannte er die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die berufsbildenden Schulen. Das werde die zuständige Abteilung prüfen müssen. Dazu habe der KMK-Präsident in Niedersachsen einen "Initiativkreis berufliche Bildung" (HWK, IHK, etc.) zur Begleitung des Prozesses einberufen. Hierbei, so die Forderungen des BLBS, müsse auch über das Problem der Ausbildungsreife gesprochen werden, ebenso über die große Anzahl der Ausbildungsberufe. Dazu wurde gemeinsam festgestellt, dass es zu viele gibt. Eine Reduzierung wäre hier eine durchaus sinnvolle Maßnahme.

Ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung Berufliche Bildung in Niedersachsen sei insbesondere die Förderung von leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern in der Berufseinstiegsschule (BVJ/BEK) sowie die Senkung der Abbrecherquoten. Unter anderem müsse das Übergangssystem (ca. 400.000 Schüler in Deutschland) effektiver gestaltet werden.

Ein weiterer Themenkomplex war die Entwicklung der berufsbildenden Schulen zu Kompetenzzentren. Der KMK-Präsident berichtete hier aus den Erfahrungen in Niedersachsen. Die selbstständigen berufsbildenden Schulen in Niedersachsen, so Althusmann, müssten zu Beginn noch einige Lernprozesse durchlaufen. Einerseits sie die Budgetierung durchaus noch mit einigen Problemen behaftet, andererseits biete die Selbstständigkeit den Schulen auch viele Freiheiten. Ihre Umsetzung benötige im Detail aber noch etwas Zeit. Wichtig sei hierbei, dass das Personal "mitgenommen" wird. Für juristische Bewertungen oder für die Lösung von Problemen solle eine Zentrallösung mit einem Unterstützungssystem entwickelt werden.

Die Steuerungsmöglichkeit im Personal- und Finanzwesen wird von den Schulen vor Ort positiv bewertet. Dem BLBS bestätigte Dr. Althusmann, dass eine institutionelle Zertifizierung für die berufsbildenden Schulen denkbar sei.

Fazit
Insgesamt war festzustellen, dass sich der KMK Präsident offen für die BLBS-Positionen zeigte. Der BLBS Vorsitzende, Berthold Gehlert, bedankte sich abschließend beim KMK-Präsidenten für das offene und ausführliche Gespräch.

Horst-Henning Wilke