BMBF und BLBS im Gespräch

Am 15.11.2010 trafen sich zu einem Gespräch beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Abteilungsleiterin Kornelia Haugg mit dem BLBS Bundesvorsitzenden Berthold Gehlert. Vom BLBS nahmen noch der stellvertretende Bundesvorsitzende Horst-Henning Wilke und der Vorsitzende des Landesverbandes Brandenburg Thomas Pehle teil. Der Meinungsaustausch griff neben aktuellen Themen der beruflichen Bildung, Fragen der aktuellen Bildungsforschung auf. Dabei ging es z.B. um die Einschätzung, wie sich die letzte Novellierung des Berufs-bildungsgesetzes (BBiG) bewährt hat.

Bild von links: Herr Wilke, Herr Gehlert, Frau Haugg, Herr Pehle

Der Bundesvorsitzende thematisierte zunächst das Thema Berufsbil-dungs-Pisa und erinnerte dabei an die spürbare Euphorie mit der die internationale Vergleichsstudie begrüßt wurde, sollte sie doch die Stärken des deutschen Dualen Systems deutlich werden lassen. Nach Einschätzung von Gehlert kam es deshalb nicht zu einer konkreten Umsetzung der Untersuchung, da offensichtlich die Sorge gewachsen war, dass das Berufsbildungs-Pisa nicht zu den erhofften klaren Ergebnissen führen könnte. Frau Haugg teilte aus Sicht des BMBF diese Sorge nicht. Sie stellte klar heraus, dass es ausschließlich Finanzierungsprobleme der Partnerländer waren, die zum Scheitern geführt hätten. Als Konsequenz daraus bereitet das BMBF derzeit ein nationales Forschungsprogramm zur Kompetenzmessung in der beruflichen Bildung vor.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gespräches drehte sich um das Duale System der Berufsbildung. Dabei wurden auch die Überlegungen zu Berufsgruppen angesprochen. Frau Haugg verwies auf den Grundsatz, dass künftig bei Neuordnungen von Berufen die Frage von Berufsgruppen immer mit geprüft werde. Der Bundesvorsitzende betonte seinerseits, dass die Frage der wohnortnahen Beschulung ein wichtiges, aber nicht ausschließliches Argument darstelle. Für ihn bleibt die Entwicklung der beruflichen Schulen zu Kompetenzzentren ein übergeordnetes Anliegen.

Auch die Einbeziehung der Berufsschulnote in das „Kammerzeugnis“ wurde diskutiert und die Argumente für das Pro und Contra rekapituliert.  Die Einrechnung der Berufsschulnote in das Berufsbildungsabschlusszeugnis bleibt für den BLBS auch für die Zukunft ein wichtiger Beitrag zur gelebten Kooperation der dualen Partner Schule und Betrieb.

Zur Prüfungskonzeption wurde von den BLBS-Vertretern noch darauf hingewiesen, dass - bei Bejahung der beruflichen Handlungskompetenz als Kern der Berufsbildung - der Kompetenznachweis auch in beruflichen Lernsituationen (z.B. an der Berufsschule) richtig und notwendig ist. Frau Haugg bestätigte, dass aus ihrer Sicht fundiertes fachtheoretisches Wissen ein entscheidendes Fundament für ein lebenslanges Lernen im Beruf ist.

Aus den vom BMBF geförderten Maßnahmen für die Berufsbildung hob Frau Haugg die Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ hervor. Diese Initiative umfasst Potenzialanalysen bei Schülern und Schülerinnen ab der 7. Klasse, Berufsorientierungsmaßnahmen ab der 8. Klasse und Begleitung von förderbedürftigen Jugendlichen in Ausbildung durch  Berufseinstiegsbegleiter.

Beide Seiten sahen es als wichtig an, dass sich Ministerium und Lehrerverband auch weiterhin über die gemeinsamen Fragen der Berufsbildung austauschen; sie vereinbarten weitere Gespräche. Der BLBS dankt der Abteilungsleiterin für den offenen und informativen Meinungsaustausch.