3. Nationaler Kongress der CSI-F Spanien in Malaga

CSI-F-KongressDer mit dem BLBS befreunde Berufsbildungsverband CSIF (Central Sindical Independiente y de Funcionarios) lud eine deutsche und eine spanische Gastdelegation zu ihrem 3. Nationalen Kongress vom 15. bis 17. April nach Malaga ein. Das mit ca. 150 Teilnehmern gut besuchte Tagung stand unter dem Motto „Lösungen mit Zukunft“.
Der BLBS war mit seinem Bundesvorsitzenden, Berthold Gehlert, und seinem Experten für Internationales, Knut Kraft, vertreten.

Der Generaldirektor Berufsbildung als Vertreter des nationalen spanischen Bildungsministeriums, Miguel Soler Gracia, hielt das bildungspolitische Eingangsreferat. Er stellte die spanische Umsetzung der bildungspolitischen Ziele des Lissabon Vertrages dar. Überzeugend konnte er die Wichtigkeit der Berufsbildung in diesem Kontext für sein Land darstellen.
Dem schlossen sich auch die Vertreter aus den 3 autonomen Regionen Valencia, Aragon sowie Kastillien und Leon uneingeschränkt an.
Aus deren engagierten Beiträgen sollen hier nur einige interessante Details erwähnt werden:

  • Schaffung von Durchlässigkeit der Berufsbildung bis zum Hochschulbereich;
  • Der quantitative und qualitative Ausbau des Berufsbildungssystems zum Bsp. durch weitere Trainingszentren;
  • Die Stärkung des Fremdsprachenlernens unter anderem durch Einrichtung von bilingualen Angeboten;
  • Nationale Curriculum-Revision mit einem stärkeren Bezug zur Arbeitswelt als vorher.

Als Ausdruck der guten und andauernden Zusammenarbeit innerhalb des europäischen Berufsbildungsnetzwerkes waren Vertreter von SNETAA und BLBS als Gäste eingeladen.
Christian Lage, Generalsekretär der SNETAA stellte ausführlich die Struktur der französischen Berufsbildung dar. Aus seiner Verbandsarbeit konnte er auf die Bedeutung der Anerkennung seiner Organisation als Verhandlungspartner der französischen Regierung verweisen.
Berthold Gehlert schilderte für den BLBS – aus deutscher Sicht – die Grundkonzeption des dualen Systems. Er betonte aus Überzeugung die Stärken des deutschen Berufsbildungssystem, verschwieg aber auch nicht die erkennbaren Schwächen.
Deutlich zeigte er aber auch die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der berufsqualifizierenden Vollzeitschulen in Deutschland auf.
Die europäische Dimension griff er auf, indem er an den Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) anknüpfte und den Entwicklungsstand des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) darstellte.
Zum Schluss ging er auch kritisch auf die Lehrerbildung und die Arbeitsbedingungen an den beruflichen Schulen ein.
Rege Nachfragen aus dem vollbesetzten Auditorium zeigten, dass der Blick über den nationalen Tellerrand wichtig und erwünscht war.

Im Zentrum des dreitägigen Kongresses standen natürlich die Themenbereiche der aktuellen spanischen Berufsbildungspolitik. Die vielfältigen Referate und Statements griffen unterschiedliche Forderungen und Lösungsansätze auf. Hier eine Auswahl:

  • Das Berufsbildungssystem muss flexibler gestaltet werden, indem mehr Übergänge ermöglicht werden.
  • Die Durchlässigkeit von der Pflicht-Sekundarschule zur Hochschulbildung muss verbessert werden.
  • Weiterer Ausbau der integrierten Berufsbildungszentren, in denen alle Bildungsangebote innerhalb der Berufsfamilen / Sektoren organisiert sind. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass zur Zeit viele Berufsbildungsklassen mit allgemeinbildenden Schulen gemeinsam untergebracht sind.
  • Es soll eine Steigerung der Teilnehmer an der beruflichen Erstausbildung erreicht werden, für die dieser berufliche Bildungsweg die erste Wahl ist gegenüber dem allgemeinen Weg zum Abitur.
  • Die neuen Möglichkeiten, in die Berufsausbildung auch das Fremdsprachenlernen zu integrieren, sollen verstärkt genutzt werden.
  • Es wird an einer stärkeren Beziehung zwischen den Berufsbildungszentren und der Arbeitswelt gearbeitet.
  • Die Mobilität der Berufsschüler und Berufsschullehrer soll verbessert werden.
  • Verbesserung der Berufsberatung (orientation) und Ausbildungsberatung (guidance) im Berufsbildungssystem
  • Die Lehrerausbildung für die berufliche Bildung muss aktualisiert und mit den formulierten Zielen abgestimmt werden.

Knut Kraft