Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS) Berthold Gehlert hat heute eine „Staatliche Koordinierungsstelle für Berufliche Bildung“ gefordert. „Wir brauchen eine Steuerung aus einer Hand“, so Gehlert anlässlich des 23. Deutschen Berufsschultages in Bamberg. An einer Koordinierungsstelle könnten die bildungspolitischen Vorstellungen der Sozialpartner, der Kammern, der Bundesländer wie auch der Lehrerverbände „zum Ausgleich gebracht und verbindlich für alle Bundesländer geregelt werden“, so Gehlert mit Blick auf das starke Ungleichgewicht bei den Zuständigkeiten im dualen System der Berufsausbildung. Die betriebliche Ausbildung ist bundeseinheitlich als „Recht der Wirtschaft“ geregelt, während der schulische Teil der Berufsausbildung vom Kulturföderalismus der 16 Bundesländer geprägt sei. „Abstimmungsprozesse zwischen Wirtschaftsseite und Schulseite sind immer noch ein Verhandlungspoker zwischen Ungleichen“ betont Gehlert.
Leistungen der Beruflichen Bildung gewürdigt
Nach den Worten des Bundesvorsitzenden seien berufliche Schulen nicht
mehr „Anhängsel oder Juniorpartner“ der Ausbildungsbetriebe und der
Kammern, sie hätten sich zu „selbstbewussten, kompetenten und
anerkannten Bildungsdienstleistern in der Region“ entwickelt. Berufliche
Schulen leisteten mit ihrer Vielfalt an unterschiedlichen Bildungsgängen
einen entscheidenden Beitrag zur Durchlässigkeit der Schulsysteme der
einzelnen Bundesländer. „Ob Erstausbildung, Weiterbildung oder
Studienberechtigungen, berufliche Schulen sind immer dabei“, verwies
Gehlert auf das Motto des 23. Deutschen Berufsschultages: „Berufliche
Schulen erschließen Welten“. Über drei Millionen junger Menschen
erhielten an beruflichen Schulen maßgeschneiderte Karrierewege zu
Berufsabschlüssen und zahlreiche Zugangsmöglichkeiten zu Hochschulen und
zu Universitäten. Angebote beruflicher Schulen reichten von der
Berufsvorbereitung über die Ausbildung an Berufsschulen oder
Berufsfachschulen bis zu beruflichen Weiterbildungsangeboten an
Fachschulen oder Fachakademien. Einen „großen Boom“ verzeichneten
derzeit die weiterführenden beruflichen Schulen, wie Fachoberschulen,
Berufliche Gymnasien und Berufsoberschulen. „Leider erhalten berufliche
Schulen in der öffentlichen Debatte nicht die gebührende
Aufmerksamkeit“, bedauert Berthold Gehlert.
Verbesserungen bei der Durchlässigkeit begrüßt
Mit den jüngsten Beschlüssen der Kultusministerkonferenz habe sich
die Durchlässigkeit im Bildungssystem noch weiter verbessert.
Erfolgreiche Absolventen von Fachschulen, wie z. B. Staatlich geprüfte
Techniker können neuerdings eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
erwerben. Außerdem kann eine Hochschule nach erfolgreichem Abschluss
einer Berufsausbildung und ausreichender Berufspraxis die Studieneignung
feststellen. Gehlert setzt sich für eine Fortsetzung dieser
bildungspolitischen Linie ein und fordert „tradierte Vorstellungen über
Zugangswege zur Hochschule aufzubrechen“. Berufliche Bildung und
Allgemeine Bildung müssten gleichwertig sein.
Weiterentwicklungen diskutiert
Der Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen beschäftigte sich am 23. Deutschen Berufsschultag auch mit künftigen berufsbildungspolitischen Herausforderungen. Im Einzelnen setzt er sich für eine Weiterentwicklung in der beruflichen Bildung in folgenden Bereichen ein:
Der 23. Deutsche Berufsschultag findet von 12. – 14. November in der
Bamberger Konzert- und Kongresshalle statt. Über 700 nationale wie
internationale Vertreter aus Politik, Schule, Wissenschaft und
Wirtschaft diskutieren mit Bayerns Kultusminister und Vizepräsident der
KMK Dr. Ludwig Spaenle über die Zukunft der Beruflichen Bildung.